Gemeinderat im Wald

Die Ortsgemeinde Niederneisen rechnet auch 2015 wieder mit einem positiven Ergebnis ihres Forsthaushaltes. Grund dafür sind leicht steigende Preise.

Niederneisen. Die rund 20 Personen, die sich am Samstagmorgen am Ende des Grundwegs trafen, gehörten keinem Wander- oder Naturfreundeverein an, sondern waren Mitglieder des Gemeinderates, die zusammen mit Revierförster Johannes Betz den Wald durchquerten. Grund dieser „Sitzung an einem außergewöhnlichen Tagungsort“ war die regelmäßig stattfindende Begehung, die dazu dient, sich als kommunalpolitisch Verantwortlicher fachliches Grundlagenwissen anzueignen oder aufzufrischen und sich mit dem aktuellen Sachstand des Forstes vertraut zu machen.

„Die informative Zusammenarbeit des Försters als Fachpersonal und uns Politiker muss gegeben sein, um Fragen wie ’was ist noch nicht fertig?’, ’was müssen wir anpacken?’, ’was müssen wir aus forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus besonders beachten?’ sachgerecht beantworten können“, sagte Ortsbürgermeister Karl-Werner Jüngst zu Beginn des etwa zweistündigen Rundganges und übergab dann an Johannes Betz.

Mit Blick auf die „Premiere“ für viele neue Ratsmitglieder erläuterte Betz zunächst den Sinn eines Waldbegehung sowie die Bedeutung von Hauungs- und Kulturplänen. Danach zeigte er an verschiedenen Punkten die im Jahr 2014 getroffenen Waldwegebaumaßnahmen auf, um anschließend die für 2015 vorgesehenen Maßnahmen in voller Länge zu besichtigen. So werden der Wegeseitengraben neu hergestellt und ein neues Dachprofil angelegt. Der Wegebau ist mit durchschnittlich 17 Euro zu kalkulieren und im Wirtschaftsplan 2015 eingestellt. In der Nähe des Haselbachufers wurde eine Eschenpflanzung besichtigt, die durch schnell aufwachsendes Springkraut fast am Aufwuchs gehindert wurde. Betz wies hier auf die Notwendigkeit von teueren Mäheinsätzen mit der Motorsense hin.

Brennholz unverändert

Der Förster erklärte weiter, dass ein ökologischer Waldbau hauptsächlich mittels Naturverjüngung erreicht wird. Deshalb sei es wichtig, dass die Jungpflanzen nicht durch Wildverbiss am Aufwuchs gestört werden. Am Beispiel eines kleinen Schutzgatters wurde ein Unterschied in der Bewuchsdichte und -höhe aufgezeigt. Auch wurde beispielhaft aufgezeigt, wie die einzuschlagenden Bäume ausgewählt werden. Die zu fällenden Bäumen in der „Abteilung drei“ werden auch für das Sortiment „Brennholz lang“ genutzt.

Beim Thema Holzverkauf, erfuhren die Ratsmitglieder, dass die Holzpreise bei Nadelholz leicht anziehen. Diese Tendenz wirke sich positiv auf die zu erwartenden Einnahmen 2015 aus. Ob dies jedoch dauerhaft zu einem Anstieg der Preise führt, hänge maßgeblich davon ab, ob es durch Windwurf oder andere Naturereignisse zu einem Überangebot komme. Auch bei Buchen- und Eichenholz sei ein leichter Preisanstieg zu verzeichnen.

Ortsbürgermeister Jüngst sagte, dass nach den Absprachen im Forstverband die Preise für das Brennholz in der Fläche unverändert 20 Euro betragen sollen. Das „Brennholz lang“ (an den Weg gerückt) wird weiterhin für 35 Euro angeboten. Der Rat beschloss die Nachtragskalkulation 2014, die eine leichte Verbesserung von 980 Euro aufzeigte (Einnahmen 63 500 Euro; Ausgaben 62 520 Euro) wie auch den Entwurf für 2015, der bei einem kalkulierten Holzverkauf von 69 330 Euro (bei Ausgaben von geschätzten 67 200) einen Überschuss von 2130 Euro ausweist.

Quelle: Nassauische Neue Presse vom 22. Oktober 2014 (rpk)