Dorf kämpft für gemeinsame Ziele

Niederneisen. Um gemeinsam einen Blick auf das vergangene Jahr zu werfen und über die Zukunft der Ortsgemeinde zu sprechen, versammelten sich ehrenamtlich engagierte Bürger im Rathaus von Niederneisen. Bei freundschaftlicher Atmosphäre und einem Glas Sekt empfing Ortsbürgermeister Karl-Werner Jüngst die eintreffenden Gäste zu einem traditionellen Neujahrsempfang. Unter den Gästen befanden sich Mitglieder des Gemeinderates von Niederneisen, Vereinsvorstände, Leiter öffentlicher Einrichtungen, Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr, der Altbürgermeister der Ortsgemeinde Flacht, Adolf Ohl, sowie ehrenamtlich Tätige. Zum ersten Mal dabei waren Pfarrer Daniel Cremers und der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Diez, Michael Schnatz. Thematisiert wurde zum einen die funktionierende Dorfgemeinschaft von Niederneisen, zum anderen die Wichtigkeit unentgeltlicher Mitwirkung und Unterstützung.

Gemeinschaft bedarf Pflege

Zu Beginn der Rede des Ortsbürgermeisters veranlasste dieser eine Gedenkminute für den im letzten Jahr verstorbenen Dieter Dreiling, der ein Ehrenvorsitzender des Reitvereins gewesen ist. Um fortzufahren, veranschaulichte Karl-Werner Jüngst, was ihm ganz besonders am Herzen liegt: die Dorfgemeinschaft. Er verdeutlichte: „In Gremien können wir viel bestimmen und entscheiden. Aber eine Gemeinschaft kann man nicht bestimmen – sie muss gepflegt werden.“ Oft werden aus Sachthemen Spaltthemen, was eine schlechte Stimmung verbreitet. Es müsse zulässig sein, seine eigene Meinung vertreten zu können und dafür einzustehen.

„Wir sollten uns mehr darauf besinnen, dass wir die gleichen Ziele anstreben und gemeinsame Werte verfolgen – nur so kann eine Dorfgemeinschaft erhalten werden“, unterstrich der Ortsbürgermeister. Schließlich soll es ja auch Freude bereiten, ein Ehrenamt auszuüben. „Wir müssen zusammenstehen und gemeinsam für unsere Ziele kämpfen“, forderte Karl-Werner Jüngst. Um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, machte er auf finanzielle Engpässe im Haushalt der Gemeinde aufmerksam, beschrieb den Männergesangverein als Kulturträger Nummer eins, bedankte sich bei dem Obst- und Gartenbauverein für ihre handwerklichen Tätigkeiten und gratulierte diesen zu ihrem offiziellen Vereinsheim. Er betonte, dass das ausgerichtete Dorffest in jedem Falle gelungen sei, es aber deutlich mehr Besucher verdient gehabt hätte. Der Ortsbürgermeister hob hervor: „Das Dorffest hat gezeigt, wie eng all unsere Vereine beieinanderstehen. Ich bedanke mich bei allen, die sich engagiert und mitgeholfen haben.“

Auch dem Reitverein spricht Karl-Werner Jüngst seine Hochachtung aus: „Beim Reitturnier waren sogar ausländische Teilnehmer anwesend. Eine wirklich gute Organisation wurde dabei deutlich.“ Auch für die Kinder und Jugendlichen setzte sich die Ortsgemeinde ein. Nicht mehr zeitgemäße Kieselsteine wurden durch Kunststofffallschutzmatten auf dem Spielplatz ersetzt. „Jetzt haben die Kinder auch nicht mehr die Kiesel in den Schuhen“, schmunzelte der Redner.

Um die Perspektiven für das kommende Jahr zu eröffnen, wurde die Frage gestellt: „Was ist Zukunft?“. Er rückte die lange diskutierte Umgehung sowie die Aartalbahn in den Mittelpunkt. Zur geplanten Umgehung wird eine Informationsveranstaltung vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) am 21. Januar in der Turnhalle von Niederneisen und am 22. Januar in der Turnhalle von Flacht ausgerichtet. Diese Veranstaltungen beginnen jeweils um 19 Uhr und sind für jedermann zugänglich. Außerdem erklärte Karl-Werner Jüngst, dass noch kein Eisenbahnunternehmen gefunden wurde, das bereit sei, die Strecke im Aartal zu betreiben.

Auch die Infrastruktur von Niederneisen ist ein wichtiger Aspekt. Der Ortsbürgermeister erklärte: „Leider gibt es immer noch große Defizite in unserer Infrastruktur. Unsere Grundversorgung ist mangelhaft.“ Doch habe man bereits einen schnelleren DSL-Anschluss bekommen, was die Gemeinden einen Schritt weiter bringe. „Auch unser schulisches Angebot und die Kinderbetreuung werden sehr gut angenommen. Darauf müssen wir aufbauen und diese positiven Gegebenheiten erhalten“, erklärte Jüngst.

Der Geschäftsführer des TuS Niederneisen informierte die Zuhörer über ein bereits im letzten Jahr begonnenes Projekt. Der TuS sowie die Gemeinde arbeiten gemeinsam an dem Umbau eines Hartplatzes zu einem Naturrasenplatz. Es wird mit Gesamtkosten in Höhe von 120 000 Euro gerechnet, die durch Zuschüsse der Gemeinde, des Kreises und des Sportbundes gedeckt werden. Darüber hinaus wird ein Großteil des Umbaus in Eigenleistung getätigt.

Große Leistungen gewürdigt

Ortsbürgermeister Karl-Werner Jüngst ehrte unter anderem Andrea Langschied, die als erste Frau im Gemeinderat von Niederneisen aktiv war. Ebenso wurden Ernst Rauer, der einzige noch lebende Vorgänger von Jüngst als Ortsbürgermeister, sowie Dieter Peuser, der sein technisches Verständnis in den Schulen und an Veranstaltungen unter Beweis stellt, geehrt. Auch Ingrid Geil wurde mit einer Anerkennung für ihre Lebensleistung ausgezeichnet. Die Leichtathletin kann mittlerweile auf drei Deutsche-Meisterschafts-Siege, sieben Deutsche-Vizemeisterschafts-Siege, sieben weitere Bronzemedaillen bei „Deutschen“, acht Rheinland-Pfalz-Titel, 38 Rheinland- und 54 Kreismeistertitel zurückblicken.

Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung – 07. Januar 2014 von Maja Ebertshäuser

Die Leichtathletin Ingrid Geil kann mittlerweile auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. Ortsbürgermeister Karl-Werner Jüngst ehrte sie für ihre Lebensleistung. Foto: Maja Ebertshäuser
Die Leichtathletin Ingrid Geil kann mittlerweile auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. Ortsbürgermeister Karl-Werner Jüngst ehrte sie für ihre Lebensleistung. Foto: Maja Ebertshäuser